Neophytenbekämpfung ohne Chemie in Brandenburg und Berlin

Staudenknöterich am Graben, Goldrute auf der Brache, Traubenkirsche im Kiefernwald, Riesenbärenklau am Weg: Manche gebietsfremden Pflanzen breiten sich so stark aus, dass sie heimische Arten verdrängen und ganze Lebensräume verändern. Wer sie zurückdrängen will, braucht Geduld, das richtige Verfahren und einen Plan über mehrere Jahre.

Madre Tierra bekämpft invasive Pflanzenarten in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, an Land, an Ufern und auf dem Wasser. Ausschließlich mechanisch und thermisch, ohne Herbizide.

Nicht jeder Neophyt ist ein Problem

Neophyten sind Pflanzen, die erst nach 1492 durch den Menschen zu uns gekommen sind. Die allermeisten von ihnen fügen sich unauffällig ein und richten keinen Schaden an. Als invasiv gelten nur die Arten, die sich so stark ausbreiten, dass sie heimische Arten verdrängen, Lebensräume verändern oder Gesundheitsgefahren mit sich bringen.

Und selbst bei invasiven Arten kommt es auf den Einzelfall an. Ein kleiner Goldrutenbestand am Siedlungsrand ist etwas anderes als eine Goldrutenfläche, die einen geschützten Magerrasen überwächst. Ob, wie und mit welchem Aufwand eine Art bekämpft werden sollte, hängt davon ab, wo sie wächst und was auf der Fläche erreicht werden soll.

Erst begutachten, dann bekämpfen

Bevor wir mit einer Bekämpfung beginnen, sehen wir uns die Fläche an: Welche Art, wie groß ist der Bestand, wie schnell breitet er sich aus, was steht in der Umgebung auf dem Spiel? Daraus ergibt sich, ob eine Bekämpfung sinnvoll ist und welches Verfahren mit vertretbarem Aufwand Erfolg verspricht. Manchmal ist das ehrlichste Ergebnis, einen Bestand nur zu beobachten.

Heimisch, aber problematisch: Jakobs-Kreuzkraut

Dass „gebietsfremd“ und „problematisch“ nicht dasselbe sind, zeigt auch der umgekehrte Fall. Das Jakobs-Kreuzkraut ist eine heimische Art und für Insekten wertvoll. Auf Weiden und Mähwiesen wird es aber zum Problem, weil es für Pferde und Rinder giftig ist, auch getrocknet im Heu. Dort drängen wir es gezielt zurück.

Arten, die wir zurückdrängen

Problempflanzen und Verfahren ohne Chemie
Art Problem Verfahren
Japanischer Staudenknöterich Dichte Bestände, treibt aus kleinsten Wurzelstücken neu aus, schädigt Uferböschungen Häufige Mahd über mehrere Jahre, Ausgraben kleiner Bestände, Abdecken
Riesenbärenklau Pflanzensaft verursacht mit Sonnenlicht schwere Hautverbrennungen Wurzel abstechen, Blütendolden vor der Samenreife entfernen, nur mit Vollschutzanzug
Kanadische Goldrute Großflächige Dominanzbestände auf Brachen und Wiesen Mahd vor der Blüte, mehrmals im Jahr über mehrere Jahre, Ausreißen
Spätblühende Traubenkirsche Unterwandert Kiefernwälder und Heiden, verhindert Naturverjüngung Ausreißen junger Pflanzen, Ringeln älterer Bäume
Robinie Reichert Stickstoff an und verändert so Magerstandorte dauerhaft Schrittweises Ringeln über mehrere Jahre
Eschen-Ahorn Breitet sich in Auen und an Ufern aus, verdrängt heimische Gehölze Ausreißen junger Pflanzen, Ringeln älterer Bäume
Gebietsfremde Wasserlinsen Geschlossene Decken auf Kleingewässern, Sauerstoffmangel im Wasser Abschöpfen von der Wasseroberfläche
Jakobs-Kreuzkraut (heimisch) Giftig für Weidetiere, auch im Heu Ausstechen vor der Samenreife, angepasste Mahd

Die Verfahren richten sich immer nach Bestand und Standort. An Gewässern arbeiten wir an Ufern, Gräben, Tümpeln und auf der Wasserfläche selbst, mit Rücksicht auf die heimische Ufervegetation. Mehr zur laufenden Pflege von Gewässern unter Gewässerpflege.

Ohne Herbizide: mechanisch und thermisch

Wir setzen keine Pflanzenschutzmittel ein. Das ist auf Schutz- und Ausgleichsflächen und an Gewässern ohnehin der richtige Weg, weil Herbizide dort auch heimische Pflanzen, Insekten und das Wasser treffen würden. Es bedeutet aber auch: Erfolg braucht mehr Durchgänge und mehr Ausdauer.

Mahd und Freischneiden

Mit Balkenmäher, Freischneider und Sense schwächen wir Bestände durch wiederholten Schnitt, bis die Pflanzen ihre Reserven aufgebraucht haben. Entscheidend ist, vor der Blüte und Samenreife zu mähen und dranzubleiben.

Ausreißen und Ausgraben

Junge Gehölze und kleine Bestände entfernen wir samt Wurzel. Bei kleinen Knöterichherden kann das die einzige Möglichkeit sein, sie dauerhaft loszuwerden.

Ringeln

Bei Bäumen wie Traubenkirsche, Robinie oder Eschen-Ahorn entfernen wir mit dem Schäleisen die Rinde rund um den Stamm. Der Baum stirbt langsam ab, ohne mit starkem Stockausschlag zu reagieren, wie es nach einer Fällung der Fall wäre. Bei der Robinie geschieht das schrittweise über mehrere Jahre.

Abdecken, Heißwasser und Abflammen

Kleinere Bestände lassen sich durch lichtdichtes Abdecken schwächen. Heißwasser und punktuelles Abflammen setzen wir gezielt ein, wo es zulässig und sicher ist.

Riesenbärenklau: nur mit Schutzausrüstung

Der Saft des Riesenbärenklaus macht die Haut lichtempfindlich und führt unter Sonneneinstrahlung zu schweren Verbrennungen. Wir arbeiten an diesen Beständen ausschließlich im Vollschutzanzug und raten dringend davon ab, die Pflanze selbst ohne Schutz zu entfernen.

Warum eine Bekämpfung nie einmalig ist

Ein einzelner Einsatz bringt bei den meisten invasiven Arten wenig. Der Staudenknöterich treibt aus seinem Wurzelsystem jahrelang neu aus, die Goldrute aus ihren Rhizomen, und im Boden liegen Samen, die noch Jahre später keimen. Wir planen die Bekämpfung deshalb von Anfang an über mehrere Jahre, mit Nachkontrollen, Nachbehandlung und Dokumentation, wo sie zulässig ist. Mehr dazu unter Monitoring und Dokumentation.

Entsorgung

Pflanzenreste invasiver Arten gehören nicht auf den Kompost und nicht in die normale Grünschnittverwertung, weil sie dort weiter austreiben oder Samen verbreiten können. Wir entsorgen sie gesondert und nach den geltenden Vorschriften. Mehr zur Beräumung von Flächen unter Flächenreinigung.

Rechtlicher Rahmen

Für Arten auf der EU-Liste invasiver Arten von unionsweiter Bedeutung, der sogenannten Unionsliste, gelten besondere Pflichten. In Deutschland sind die Naturschutzbehörden nach §§ 40a ff. BNatSchG verpflichtet, Maßnahmen zur Beseitigung oder Eindämmung zu treffen. Von den Arten, die wir bekämpfen, steht der Riesenbärenklau auf dieser Liste. Andere Arten wie Staudenknöterich oder Kanadische Goldrute gelten in Deutschland als invasiv, sind aber nicht EU-weit gelistet. Ob und wie sie bekämpft werden, entscheidet sich am Einzelfall.

Für wen wir arbeiten

Kommunen und Landkreise

Zurückdrängen invasiver Arten auf öffentlichen Grünflächen, an Wegen und Gewässern, besonders beim gesundheitsgefährdenden Riesenbärenklau.

Flächeneigentümer und Landwirte

Bekämpfung auf Wiesen, Weiden und Brachen, einschließlich Jakobs-Kreuzkraut auf Weideflächen.

Naturschutzverbände und Stiftungen

Mehrjährige Bekämpfung auf Schutzflächen, auf denen Herbizide keine Option sind.

Vorhabenträger und Flächenagenturen

Bekämpfung auf Ausgleichsflächen, auf denen invasive Arten das Entwicklungsziel gefährden.

Weitere Leistungen in der Landschaftspflege

  • Gehölzpflege & Entbuschung

    Pflege von Einzelbäumen, Baumreihen und Gehölzbeständen, dazu Entbuschung und Entkusselung auf Offenlandflächen.

  • Obstbaumpflege & Streuobstwiesen

    Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt an Hochstämmen, Nachpflanzung alter Sorten, Pflege der Wiesenfläche darunter.

  • Gewässerpflege

    Laufende Unterhaltung von Teichen, Gräben, Kleingewässern und Uferstreifen mit Rücksicht auf die Ufervegetation.

  • Wiesenpflege & Mahd

    Extensive Mahd mit Balkenmäher, Abräumen des Mahdguts und Pflegeregime, die zum Zielbestand passen.

  • Hecken- & Saumpflege

    Abschnittsweiser Heckenschnitt, Pflege und Neuanlage von Säumen und Feldgehölzen mit heimischen Arten.

  • Flächenreinigung

    Beräumung von Naturschutz-, Ausgleichs- und Grünflächen, auch nach illegaler Müllablagerung.

  • Pflegemanagement

    Pflegepläne, feste Intervalle und durchgehende Betreuung für Flächen im Dauervertrag.

  • Monitoring & Dokumentation

    Entwicklungsdokumentation, Fortschrittsberichte und Luftbildaufnahmen per Drohne als Nachweis gegenüber Behörden.

Häufige Fragen

Nein. Die meisten gebietsfremden Pflanzen fügen sich unauffällig ein. Als invasiv gelten nur Arten, die heimische Arten verdrängen, Lebensräume verändern oder Gesundheitsgefahren mit sich bringen. Auch bei ihnen lohnt sich eine Einschätzung im Einzelfall, bevor bekämpft wird.

Nein. Wir arbeiten ausschließlich mechanisch und thermisch, etwa mit Mahd, Ausgraben, Ringeln, Abdecken oder Heißwasser. Auf Schutzflächen und an Gewässern ist das der richtige Weg, braucht aber mehr Durchgänge.
Nur mit Ausdauer. Kleine Bestände lassen sich ausgraben, größere werden durch häufige Mahd über mehrere Jahre geschwächt. Weil der Knöterich aus kleinsten Wurzelstücken neu austreibt, dürfen die Reste nicht kompostiert werden.
Sein Pflanzensaft macht die Haut lichtempfindlich. Unter Sonneneinstrahlung entstehen schwere, verbrennungsähnliche Hautschäden. Er sollte nur mit vollständiger Schutzkleidung entfernt werden. Wir arbeiten an diesen Beständen ausschließlich im Vollschutzanzug.
Bei den meisten invasiven Arten über mehrere Jahre, oft mehrmals pro Jahr. Wurzelsysteme treiben neu aus, und im Boden liegen Samen, die noch Jahre später keimen. Deshalb gehören Nachkontrollen und Nachbehandlung zu jedem Auftrag.

Ja. Wir arbeiten an Ufern, Gräben und Tümpeln und auch auf der Wasserfläche selbst, etwa beim Abschöpfen gebietsfremder Wasserlinsen.

Sie werden gesondert und nach den geltenden Vorschriften entsorgt, nicht kompostiert. Viele invasive Arten treiben aus Pflanzenteilen neu aus oder verbreiten sich über Samen im Grünschnitt.

Nein, es ist eine heimische Art und für Insekten wertvoll. Auf Weiden und Mähwiesen ist es aber problematisch, weil es für Pferde und Rinder giftig ist, auch getrocknet im Heu. Dort drängen wir es gezielt zurück.

Invasive Pflanzen auf Ihrer Fläche?

Schicken Sie uns Fotos des Bestands und die Lage der Fläche. Wir sagen Ihnen, um welche Art es sich handelt, ob eine Bekämpfung sinnvoll ist und wie sie ohne Chemie gelingen kann.